Anselm Kiefer. Opus Magnum

Anselm Kiefer, Opus Magnum – Für Ingeborg Bachmann, das Sonnenschiff, 2015,
Kiefer-Sammlung Grothe im Franz Marc Museum
© Anselm Kiefer, Foto: collecto.art

Anselm Kiefer, Opus Magnum – Athanor, 2014,
Kiefer-Sammlung Grothe im Franz Marc Museum
© Anselm Kiefer, Foto: collecto.art

Anselm Kiefer, Opus Magnum – Daphne, 2016,
Kiefer-Sammlung Grothe im Franz Marc Museum
© Anselm Kiefer, Foto: collecto.art

12. Juli 2020 bis 21. Februar 2021

Unter dem Titel Opus Magnum, hat Anselm Kiefer 2016 sechs großformatige Fotografien und dreiundzwanzig Vitrinen zusammengefasst. Wie Zeitkapseln enthalten diese Glasbehälter die verschiedenen Topoi seines Werks. Die durchsichtigen Schreine umfassen ein komplexes, assoziationsreiches Ensemble von Dingen und Bedeutungen. Sie sind zugleich transparent und dicht, leicht und schwer.

Von diesem Themenreichtum ausgehend fragt die Ausstellung nach der wichtigen Rolle von literarischen, mythologisch und biblischen Topoi im Werk Anselm Kiefers und stellt den Vitrinen kurze assoziative Texte von zeitgenössischen Schriftstellern, darunter Marion Poschmann, Christoph Ransmayr und Ferdinand von Schirach, gegenüber.

Über diesen literarischen Zugang werden die immer gleichen und stets aufs Neue variierten Motive Anselm Kiefers neu beleuchtet. Mit Georg Baselitz und Gerhard Richter gehörte Anselm Kiefer zu den deutschen Künstlern, die, während oder kurz nach Nationalsozialismus und Weltkrieg in Deutschland geboren, sich einem allgemeinen Schweigen über die jüngste Vergangenheit entgegenstellten: “Ich lebte unter Leuten, die alle dabei waren und nicht darüber reden wollten. Diese Zeit war ein leerer Raum.“, beschrieb er selbst die Situation. In engem Zusammenhang mit diesem Blick auf die Geschichte stehen Kiefers ideengeschichtliche Verwurzelung in der Romantik und die Verbindung von Mythologie und Moderne, die sein Werk charakterisiert.

Klangfarbenmelodie - Franz Marcs Weg zur Farbe

Franz Marc, Hocken im Schnee, 1911,
Franz Marc Museum, Franz Marc Stiftung, Ankauf gefördert durch Bundesrepublik Deutschland, Kulturstiftung der Länder, Bayerische Landesstiftung, E.ON AG, Ernst von Siemens Kunststiftung, Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Wilhelm von Finck Stiftung, Foto: Collecto.art

voraussichtlich 2021

Das Franz Marc Museum besitzt ein einzigartiges Dokument zu Franz Marcs Auseinandersetzung mit der Farbe: ein Notizheft, in das der Maler um 1910 seine Gedanken zu diesem Thema schrieb.

Marc setzte sich damals mit den Klassikern der wissenschaftlichen, farbtheoretischen Literatur auseinander und hielt wichtige Erkenntnisse und seine Kommentare in dem Notizheft zur Farbe fest. Allerdings enttäuschten ihn die traditionellen Farbtheorien. Um zur revolutionären Farbgebung seiner Werke zu gelangen, musste Marc einen eigenen, neuen Weg finden, der sich an den in der Ausstellung präsentierten Gemälden und Aquarellen verfolgen lässt:

Ausgehend von einer naturalistischen Farbgebung, ließ der Maler sich vom Umgang des Impressionismus mit der Farbe inspirieren, was sich in seinen Werken mit einer sehr hellen, lichtvollen Farbigkeit niederschlug. Von großer Bedeutung war für Marc dann die Malerei Vincent van Goghs, die ihn zur Befreiung der Farben von ihrer Abbildungsfunktion führte, indem er ihre emotionale Ausdruckskraft nutzte. Für seine letzten, nahezu abstrakten Gemälde orientierte Marc sich schließlich an Robert Delaunays Komplementärfarbkontrast und kam so zu einer strahlenden, auf den Grundfarben basierenden Farbigkeit.

Vor allem mit dem Freund August Macke tauschte Franz Marc sich über Fragen der Farbe aus. Auch Macke war auf der Suche nach einer neuen Malerei und setzte bei seinen Überlegungen in Frankreich an. Beide Maler gelangten nicht über theoretische Reflexion, sondern über praktische Versuche zu innovativen Lösungen und farbenprächtigen Gemälden.