Ich bin mein Stil. Künstlerbildnisse im Kreis der Brücke und des Blauen Reiters

20. Juni – 3. Oktober 2021

Es ging um eine „Neue Kunst“. Die Malerinnen und Maler des Blauen Reiters und der Brücke wollten mit Traditionen brechen und Bilder malen, die die Welt verändern. Ihre Gemälde sind voller Farbe und Bewegung, tauchen alles in ein ungewohntes Licht und treffen den Betrachter emotional.

Wer waren diese Revolutionäre der Kunst? Wie sahen sie aus und wie sahen sie sich selbst? Danach fragt die Ausstellung Ich bin mein Stil. Künstlerbildnisse im Kreis der Brücke und des Blauen Reiters. Sie zeigt die Selbstporträts der Künstlerinnen und Künstler und die Bildnisse, die sie gegenseitig von sich malten. Neben Briefen und Tagebüchern, Programmen und Streitschriften zeigen ihre Porträts ein neues Selbstverständnis der Künstler. Ihre Selbstinszenierung greift auf alte Kompositionsmuster zurück, die Art und Weise wie diese Bildnisse gemalt sind, ist aber voraussetzungslos neu.

Das zeigt sich schon bei Max Beckmanns großformatigem Doppelbildnis mit seiner jungen Frau Minna, einer wichtigen Leihgabe aus dem Kunstmuseum Moritzburg in Halle. Das ganzfigurige Porträt ist durch traditionelle Bildmuster geprägt, lässt aber eine latente Verunsicherung spüren: Die Künstler der Avantgarde mussten sich neu erfinden, was gerade in den Werken Ernst Ludwig Kirchners sichtbar wird. Sein Atelierbild aus der Sammlung Gunzenhauser in Halle zeigt die Geliebte Kirchners und seinen Freund Erich Heckel in einem exotisch eingerichteten, vielfarbigen Raum. Er war Teil des Wohnateliers, in dem die Künstler mit Freunden, Modellen und Geliebten lebten und arbeiteten. Die spezielle Atmosphäre dieser Räume spiegelt sich auch nach der Auflösung der Brücke in den Bildnissen der Künstler, so dem eindrucksvollen Selbstporträt Karl Schmidt-Rottluffs mit Zigarre aus dem Museum Wiesbaden, auf dem der Maler sein Gesicht im Stil einer afrikanischen Maske malte. Diese künstlerische Referenz war auch für die Malerinnen und Maler des Blauen Reiters wirksam.

Darüber hinaus spielt in ihren Porträts die bayerische Volkskunst eine Rolle, die sie in ihrer Ursprünglichkeit verehrten und sammelten. Die Blauen Reiter lebten und arbeiteten vorzugsweise auf dem Land und malten sich dort gegenseitig. Gabriele Münter stellte Wassily Kandinsky auf einem Gemälde aus dem Museum Burda in Baden Baden bei einer Bootsfahrt dar – mit blitzenden Brillengläsern, als intellektuellen Kapitän. Kandinsky wiederum malte Annette von Werefkin und Gabriele Münter auf einem roten Sofa plaudernd. Das Gemälde, eine Leihgabe aus dem Kunstmuseum Bern, vermittelt die besondere Atmosphäre des Hauses, das Kandinsky und Münter seit 1909 bewohnten und das sie neben ihren eigenen Werken mit bayerischer Volkskunst ausgestattet hatten.

Der erste Weltkrieg zerstörte Hoffnungen und Utopien, was sich im Künstlerporträt im Ausdruck von Angst und Verzweiflung niederschlägt. Schon von dem Krieg hatte Ludwig Meidner die Katastrophe vorausgesehen und sich selbst auf einem dramatischen Bildnis aus der Pinakothek der Moderne in München als Selbstmörder dargestellt.

Die Errungenschaften von Brücke und Blauem Reiter haben die Kunst jedoch über den Krieg hinaus nachhaltig geprägt mit einem neuen Malstil, der eine neue Sicht der Welt reflektiert: die analytische und emotionale Durchdringung ihrer oberflächlichen Erscheinung im Blick des Künstlers. Sowohl die neue Malweise, geprägt durch eine intensive, kontrastreiche Farbigkeit, die spontane Geste, eine neue Auffassung von Raum und Volumen, als auch die Subjektivität des künstlerischen Blicks spiegeln sich in seiner und ihrer (Selbst)Darstellung, die wiederum Reflex ihrer Werke ist. Dies wird in der Ausstellung erfahrbar durch die Gegenüberstellung von Bildnissen und zeitgleichen Werken der Künstlerinnen und Künstler.

Die Ausstellung im Franz Marc Museum findet im Rahmen der Ausstellungsreihe »Avantgarde in Farbe. Blauer Reiter, Brücke, Expressionismus« der MuSeenLandschaft Expressionismus statt, die auch ins Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See, ins Schloßmuseum Murnau, ins Museum Penzberg – Sammlung Campendonk und ins Lenbachhaus in München führen wird.

Download Flyer

Webseite