Aquarellbild, das Menschen in farbenfroher Kleidung zeigt, die über einen Markt im Freien schlendern.

Licht wird Farbe
Reisen
nach Tunesien

11. Oktober 2026
bis 17. Januar 2027

11. Oktober 2026
bis 17. Januar 2027

Was geschieht, wenn Künstler:innen in ein anderes Licht aufbrechen, in ungewohnte Räume und Landschaften, deren Farben und Formen den eigenen Blick verändern? Das Franz Marc Museum geht dieser Frage nach und präsentiert zwei Reisen: den mehrmonatigen, weniger bekannte Aufenthalt von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky in Tunis und Umgebung 1904/05 sowie die berühmte Tunisreise von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet im Frühjahr 1914.

Tunesien forderte die Wahrnehmung der Künstler:innen heraus und wurde zu einem Ort intensiver künstlerischer Erprobung. Münter hielt Gassen, Märkte und Mauern in präzisen Fotografien fest und verwandelte sie in Gemälde und Papierarbeiten mit reduziertem Bildaufbau. Kandinsky übersetzte Landschafts- und Architektureindrücke in farbkräftige, rhythmisch verdichtete Kompositionen. Macke schuf 1914 in wenigen Wochen leuchtende Aquarelle, in denen Straßenszenen, Figuren und Stadträume zu Gefügen aus Fläche und Farbe werden. Klee entwickelte aus Architektur, Landschaft und Erinnerung zeichenhafte Bildordnungen. Moilliet verdichtete Architektur- und Straßenräume in transparenten Farbsetzungen, in denen Beobachtung und Abstraktion ineinandergreifen. Die Auseinandersetzung mit Tunesien endete nicht mit der Rückreise: Motive, Farbwirkungen und Bildideen tauchen in späteren Arbeiten erneut auf und werden weiterentwickelt.

Die Ausstellung versammelt rund sechzig Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotografien. Sie zeigt, wie aus Reiseeindrücken Bilder wurden, und fragt zugleich, wie der koloniale Blick diese Bilder formte. Tunesien war seit 1881 französisches Protektorat. Um 1900 war der europäische Blick auf Nordafrika bereits durch Reiseberichte, Postkarten, touristische Infrastruktur, Ausstellungen und ältere Darstellungen des »Orients« geprägt. Diese Bilder und kolonialen Strukturen bestimmten den Blick der Künstler:innen nicht vollständig, prägten jedoch mit, was sie wahrnahmen und künstlerisch interessant fanden.

Licht wird Farbe ist eine Einladung zur Neugier – auf leuchtende Kunst, auf spannende Hintergründe und auf Fragen, die bis heute aktuell sind: Was sehen wir, wenn wir reisen? Und wessen Welt sehen wir dabei?

Die Ausstellung wird gefördert vom Kulturfonds Bayern.

Audioguide
Licht wird Farbe

Begeben Sie sich mit dem Audioguide auf die Spuren der Tunesienreisen von Gabriele Münter und Wassily Kandinsky sowie von Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet. In rund 20 Minuten führen ausgewählte Stationen durch die Ausstellung. Der Audioguide zeigt, wie Reiseeindrücke zu Bildern wurden, und ordnet den Blick der Künstler in den kolonialen Kontext ihrer Zeit ein.

Mitmachraum
Licht wird Farbe

Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet nutzten Aquarellfarben, um die Eindrücke ihrer Tunisreise in leuchtende Bilder zu übersetzen. Im Mitmachraum können Besuchende ihre Arbeitsweise selbst erproben und mit Farbe experimentieren. Aquarellfarben und Stifte laden dazu ein, eigene Bildideen zu entwickeln und kreativ zu werden.

Geeignet für Kinder und Erwachsene ab 5 Jahren.

Textilkunstwerk mit zwei stilisierten Figuren, die sich vor schwarzem Hintergrund umarmen – die eine in Grün, die andere in einem wallenden orangefarbenen Gewand –, als Vorgeschmack auf kommende Ausstellungen.

Vorschau

Verwobene Linien
Johanna Schütz-Wolff